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Viele Fragen zur Müllverbrennung Bürgerinitiative: Fachhochschul-Gutachten ist kein Ersatz für Umweltverträglichkeitsprüfung Porta Westfalica (mt). Die Untersuchungen der Fachhochschule Lippe/Höxter zur Verbrennung von Müll im Veltheimer Kraftwerk ersetzen nach Auffassung der Bürgerinitiative (BI) keine ordentliche Umweltverträglichkeitsprüfung. Von Dirk Haunhorst
Das teilte Fritz-Günter Pape, einer der BI-Sprecher, gegenüber dem MT mit. Die Expertise der Fachhochschule (FH) hält Pape für ein "parteiliches Gutachten".
Wie berichtet, hatten laut (FH) die Immissionsmessungen an einem eigens dafür aufgestellten Messcontainer ergeben, dass vom Kraftwerk keine Gefahr ausgehe. Bereits der Umweltbeauftragte der Stadt Porta Westfalica hatte Zweifel an der Aussagekraft der Untersuchungen angemeldet (MT vom 25. Oktober).
Die Bürgerinitiative "Saubere Umwelt ohne Müllverbrennung im GKV" legt nun nach und beklagt, dass die Untersuchungen der Fachhochschule die Zusatzbelastungen durch so genannte heizwertreiche Fraktionen nicht ausreichend berücksichtigen. "Genau um diese Stoffe geht es uns aber", sagt Pape und zählt auf, was im Kraftwerk geschreddert verfeuert wird: Autoreifen, Altöl, Sulfitschlämme, imprägnierte Textilien, Teppichreste, Farb- und Lackabfälle, Automobilkunststoffe, Spritzgussteile, Spanplatten und Furniere sowie Chemie- und Kunststoffabfälle. "Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, dass solche Stoffe verbrannt werden", sagt Pape. "Nötig sind dafür aber moderne Filteranlagen, die das Veltheimer Kraftwerk nicht hat."
Lange Mängelliste der Bürgerinitiative
Bei einem Betriebsversuch, den der FH-Bericht erwähnt, sei Kessel 3 ausschließlich mit Kohle und Klärschlamm befeuert worden, nennt Pape ein Beispiel aus seiner langen Mängelliste. "Es waren also nicht alle drei Kessel im Einsatz und es erfolgte keine Mitverbrennung der von uns als besonders umweltgefährdend angesehenen Stoffe."
Im Übrigen werden die Frage nicht beantwortet, um welche Art von Klärschlamm es sich handele - harmlosen Schlamm aus Fäkalien der Kommunen oder Industrieklärschlamm? So bleibe unklar, ob und wie hoch der Klärschlamm mit Schwermetallen, Chlor, Fluor, Dioxinen und PFT belastet sei.
Aus dem meteorologischen Teil des FH-Berichtes gehe hervor, dass das Kraftwerk nur in knapp 13 Prozent der Jahresstunden Kunststoffabfälle (Fluff) eingesetzt habe. Einen Fluff-Massenstrom über fünf Tonnen pro Stunde habe es lediglich in 4,5 Prozent der Jahresstunden gegeben.
Berücksichtige man dazu die Windrichtung, werde deutlich, dass nennenswerte fluffbedingte Emissionen (Massendurchsatz von mehr als fünf Tonnen pro Stunde) in nicht einmal einem Prozent der Jahresstunden in Richtung des Immissions-Messcontainers transportiert worden seien, zitiert Pape aus dem Bericht. "Und dabei schließen die Betriebsstunden mit Kunststoffeinsatz das Verbrennen von Klärschlämmen mit ein."
Der Abschlussbericht enthalte keine Aussage darüber, wie hoch die jeweiligen Anteile an Klärschlämmen und heizwertreichen Fraktionen seien. Aus dem Bericht gehe auch nicht hervor, wie oft Emissionen von Dioxinen und Schwermetallen gemessen worden seien.
Gerichtstermin am 3. Dezember
Papes Schlussfolgerung: "Alle diese fehlenden Aussagen machen den Bericht bezogen auf das Verbrennen von heizwertreichen Fraktionen und die daraus resultierende Belastung der Umwelt wenig aussagefähig. Auch können brauchbare Korrelationen nicht abgeleitet werden."
Am 3. Dezember wird sich das Oberverwaltungsgericht in Münster mit den Klagen der Müllverbrennungsgegner beschäftigen. "Für ein anerkanntes Gutachten, das dem Gericht unsere Befürchtungen bestätigt, benötigen wir dringend Geldspenden", sagt Fritz-Günter Pape. Fragen dazu beantwortet der BI-Experte unter der Rufnummer 05751/8226.
Vor dem Gerichtstermin findet eine BI-Mitgliederversammlung statt. Treffpunkt ist am Donnerstag, 27. November, um 20 Uhr die Gaststätte "Prinsenhof" in Möllbergen. Alle Bürger sind eingeladen.
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